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Zuletzt "Eine kleine Theodizeeverweigerung" und Anmerkungen dazu. Was man auf diesen Seiten sonst noch so alles findet, ist leicht anhand des Hauptmenüs rechter Hand herauszubekommen. Kommentare zu den hier veröffentlichten Texten sind übrigens immer willkommen!

Stefan Broniowski

 
Eine kleine Theodizeeverweigerung PDF Drucken E-Mail

Wie kann Gott das alles zulassen? Wie kann er zulassen, dass kleine Kinder an Hunger krepieren, dass völlig unschuldige Menschen in Kriegen zerfetzt und verstümmelt werden, dass Krankheiten, die eigentlich behandelbar wären, Unzählige dahinraffen? Wie kann Gott zulassen, dass Menschen in Elend und Not leben und ohne Aussicht auf Besserung? Wie kann Gott Ausbeutung und Umweltzerstörung zulassen, wie all den Hass und all die Hetze? Warum lässt Gott zu, dass Menschen einsam und unglücklich sind, dass sie Krebs bekommen oder bei einem Autounfall sterben? Wieso gibt es Erdbeben, Vulkanausbrüche und Überschwemmungen? Wie kann es all das Unrecht und Leid auf der Welt geben, wenn es einen gerechten und liebevollen Gott gibt? Wenn er nichts dagegen tun kann, wie kann er dann allmächtig sein? Wenn er nichts dagegen tun will, wie kann er dann gut sein?
Ich finde all diese Fragen, ehrlich gesagt, ziemlich dreist. Sieht man sich die Übel dieser Welt nämlich genauer an, so erkennt man: In erster Linie sind es Menschen, die anderen Menschen Leid zu fügen. Menschen sind es, die Menschen töten, verstümmeln, quälen, entrechten, entwürdigen. Menschen sind es, die Menschen ausbeuten und unterdrücken, die einander belügen und bestehlen, die systematisch die Umwelt zerstören und mit Techniken hantieren, deren Risiken sie nicht beherrschen können. Menschen führen ihr Leben so, dass sie (und andere) krank werden, Unfälle haben, einsam sterben. Menschen bauen Häuser, die bei Erdbeben zusammenbrechen, Menschen siedeln am Rand von Vulkanen oder in Überschwemmungsgebieten. Dass sie all nicht immer ganz freiwillig tun, sei unbedingt zugestanden, aber auch dann sind es letztlich Menschen, die andere Menschen unmittelbar und mittelbar dazu zwingen, unter Bedingungen zu leben, die sie gefährden, schädigen oder töten.
Und da traut man sich im Ernst zu fragen, wieso Gott das zulässt? Er lässt es zu, weil er den Menschen einen freien Willen und ein Gewissen geschenkt hat, sodass sie handeln und ihr Handeln beurteilen können. Handlungen aber haben nun einmal Folgen. Und zwar nicht nur für den Handelnden. Wenn die einen ein Atomkraftwerk ans Meer bauen, um Profit damit zu machen, werden andere verstrahlt, wenn ein Tsunami über das Atomkraftwerk hinwegschwappt. Das ist nicht gerecht, das ist böse. Aber es sind Menschen, die etwas getan und gelassen haben, es waren ihre Entscheidungen, die zu bestimmten Folgen geführt haben. Verlangt man nun von Gott, dass er die Menschen am Handeln hindert? Dann wären sie keine Menschen, sondern Marionetten. Verlangt man von Gott, dass er nur gute Handlungen zulässt, aber böse verhindert? Dann wären die Menschen unfrei. Verlangt man von Gott, dass er zwar alle Handlungen zulässt, aber alle bösen Folgen verhindert? Dann lebten die Menschen nicht in der Wirklichkeit.
Ich bringe zur Veranschaulichung gern dieses Beispiel: Wenn ich einen Nagel in die Wand schlagen will und mir dabei mit dem Hammer sehr schmerzhaft auf den Daumen haue, wäre es ja wohl lächerlich zu fragen: Warum hat Gott das zugelassen? Ich muss es offensichtlich meinem eigenen Ungeschick zuschreiben, dass ich mir Schmerz zugefügt habe. Da geht es um etwas Prinzipielles: Wenn ich akzeptiere, dass die Welt so eingerichtet ist, dass ich mit ein wenig Geschick einen Nagel in eine Wand schlagen kann, dann muss ich auch akzeptieren, dass mein Ungeschick dazu führen kann, dass ich nicht den Nagel, sondern den Daumen treffe. So ist die Welt nun einmal eingerichtet, es sind dieselben physikalischen Voraussetzungen, auf die ich vertraue. Ich akzeptiere sie, wenn ich etwas kann und etwas klappt, also kann ich mich nicht bei ihrem Schöpfer beschweren, wenn etwas durch mein Unvermögen nicht klappt.
Dasselbe gilt, wenn jemand anderes für mich den Nagel hält, den ich einschlagen will, und ich den Daumen dieser anderen Person treffe. Für deren Schmerz bin ich verantwortlich, auch wenn ich ihn ganz bestimmt nicht wollte. Ihr widerfährt Leid, ohne dass sie daran schuld wäre. (Obwohl sie den Nagel vielleicht besser nicht gehalten hätte, aber vielleicht habe ich sie gezwungen oder überredet.) Wie lächerlich wäre es nun, in einer solchen Situation anklagend auszurufen: Gott, wie konntest Du zulassen, dass ich jemandem mit dem Hammer kräftig auf den Daumen haue!
Zweifellos gibt es unzählige Fälle, deren Dimension mein Nagel-Hammer-Daumen-Beispiel vielfach übersteigt. Der Tod eines Kindes oder sonst eines geliebten Menschen an einer Krankheit oder bei einer Naturkatastrophe. Wer solches miterleben muss, den wird es aus der Bahn werfen, das ist nur zu verständlich. Und verständlich ist es auch, wenn in Schmerz und Verzweiflung dann der Gedanke auftaucht: Wie konnte Gott das zulassen?
Wenn jemand als Opfer eines Verbrechens oder eines fahrlässig herbeigeführten Unfalls stirbt, dann gibt es eindeutig jemanden der an dem Unglück schuld ist, auch wenn man ihn nicht kennt, auch wenn der Schuldige das Unglück nicht beabsichtigt hatte. Wie aber soll man damit umgehen, wenn es keinen erkennbaren Schuldigen gibt? Wenn ein Kind krank wird, die Ärzte ihr Möglichstes tun, aber das Kind trotzdem stirbt? Wenn ein Bergabhang plötzlich ins Rutschen gerät und Menschen unter sich begräbt? Die Hinterbliebenen werden außer Trauer wohl auch Wut verspüren, denn was da geschah, ist nicht gerecht, niemand kann etwas dafür, am wenigstens die Toten. Jeder kann verstehen, wenn in einer solchen Situation mangels eines anderen Schuldigen Gott angeklagt wird. Immerhin hat er die Welt eingerichtet, wie sie ist. Eine Welt, in der es Viren und Erbkrankheiten gibt, giftige Tiere und Pflanzen, Wirbelstürme, Sturmfluten, Erdrutsche und Erdbeben, Vulkanausbrüche, Waldbrände. Und schlechte Menschen.
Nicht immer ist menschliches Handeln als Ursache von Unglücksfällen erkennbar. Aber es ist auch nie weit entfernt. Nur dass es für die Eltern eines toten Kindes kein Trost ist, ihnen zusagen: Hättet ihr das Kind nicht gezeugt, hätte ihr ihm nicht euer Erbgut mitgegeben, es nicht bestimmten Umweltgiften ausgesetzt usw., dann wäre es nicht gestorben, weil es nie gelebt hätte. Und für die, die Angehörige und Freunde bei einer Naturkatastrophe verloren haben, ist es kein Trost, ihnen zu sagen: Hätten sie sich anderswo aufgehalten, könnten sie noch leben. Die Folgen menschlichen Tun und Lassens können so komplex und unüberschaubar sein, dass zwischen Handlung und Folge sehr oft gar kein Zusammenhang mehr erkennbar ist. Und vieles ist ja auch tatsächlich von Menschen nicht oder nicht zielgerichtet beeinflussbar. Die Welt ist nicht unserem Willen unterworfen. Was wir an ihr gestalten können, ist nur ein Teil von ihr. Was wir bewirken, übersehen und verstehen wir oft nicht. Die Ursachen dessen, was uns widerfährt, bleiben uns meist verborgen.
Ist also Gott an allem schuld, weil er die Welt geschaffen hat und sie erhält? Was für ein merkwürdiger Gedanke. Hätte aus dieser Sicht Gott die Welt nicht schaffen sollen? Wenn es keine Menschen gäbe, könnte ihnen auch nichts Schlimmes passieren … Oder hätte Gott die Welt anders einrichten solle? Wie hätten wir sie den gern? So, dass alle lieb und nett zueinander sind und böse Taten keine böse Folgen haben? Nun, es ist ja aber gerade so, dass Gott, der Ursprung alles Guten, will, dass wir Gutes tun und Böses lassen. Er überlässt es allerdings uns, uns für das Richtige zu entscheiden, und hindert uns nicht, wenn wir eine falsche Wahl treffen. Ließe er uns nicht diese Freiheit, so wären wie eben nicht frei zum Guten, sondern, wie gesagt, Gottes Marionetten, oder, modern gesprochen, Roboter, die darauf programmiert sind, etwas zu tun, was sie „wollen“ müssen, also nicht wirklich wollen, sondern bloß willenlos ausführen.
Das Böse ist das, was nicht sein soll. Der Widerspruch zwischen dem, was sein soll, und dem was nicht sein soll, bedingt das Leid. Gott liebt jeden einzelnen Menschen und will nur sein Bestes. Gott will, dass es den Menschen gut geht, er will nicht, dass Menschen hungern und dürsten, frieren, Schmerzen haben, einsam sind usw. usf. Dass ihnen das alles trotzdem widerfährt, ist nicht Gottes Wille. Wie er am Ende der Zeiten, wenn diese Welt ein Ende hat und gerichtet wird, den Widerspruch zwischen seine Willen zum Guten einerseits und andererseits der Freiheit des Menschen, die zu Unheil missbraucht werden konnte, auflösen wird, können und müssen wie ihm überlassen. Das ist der Gegenstand der christlichen Hoffnung: Dass am Ende alles gut gewesen sein wird.
Bis dahin sollten uns angesichts all des Grauens in der Welt, all der Ungerechtigkeiten, all des Leidens, an der eigenen Nase fassen: Wie nütze ich meine Freiheit? Was an meinem Tun und Lassen ist gut, was ist schlecht? Was widerfährt durch mein Handeln anderen unmittelbar und, soweit ich weiß, mittelbar? Und wir sollten, außer Selbstkritik, durchaus auch Kritik üben: Was tun Menschen Menschen (und ihrer Umwelt) an? Welche Politik hat welche Folgen? Welche Strukturen reproduzieren immer und immer wieder dasselbe Unglück? Welche Institutionen könnten das verhindern? Was lässt sich ändern? Was muss sich ändern? Was ist Gottes Wille?
Gott braucht sich vor den Menschen nicht zu rechtfertigen. Er macht alles richtig. Er beruft uns dazu, selbst auch Richtiges zu tun. Er weiß, dass wir fehlbar sind, schwach und manchmal einfach bösartig. Er kommt uns zu Hilfe. Er bietet uns Vergebung an und befreit uns von Bösem, das uns zu verführen und verderben droht. Christen sagen: Jesus Christus, Gottes Sohn, hat uns durch Tod und Auferstehung ein für alle Mal losgekauft („erlöst“) von der Sünde, also von dem Tun und Lassen, das nicht sein soll, von dem, was wir selbst falsch machen, wie auch von dem, was andere für uns falsch gemacht haben („Erbsünde“). Durch Gott hat das Übel in der Welt nicht das letzte Wort.
Warum Gott etwas zulässt? Die Frage ist falsch gestellt. Sie will darauf hinaus, Gott zur Rede zu stellen und letztlich in Abrede. Darum empfehle ich die Gegenfrage: Welchen Gott lassen wir zu? Und was hieße es wirklich, Gott nicht zuzulassen? Wenn es Gott nicht gäbe, könnten wir dann überhaupt das, was sein soll, von dem unterscheiden, was nicht sein soll? Es ist doch dann einfach alles, wie es ist. Wie erklären wir aber in dem Fall das Leid, das uns und anderen widerfährt? Wieso widerspricht dann da etwas, das Übel, dem, was eigentlich zu ein hätte, dem Guten?
Wenn es Gott nicht gäbe, gäbe es auch keine Chance, dass am Ende doch das Gute endgültige Wirklichkeit wird, dann wären die Übel dieser Welt unaufhebbar, kein Leidender könnte ehrlich getröstet werden und die Toten blieben tot, als wären sie nie lebendig gewesen. Eine solche Welt will jemand?
Dass Unrecht geschieht und Menschen leiden, ist unbestreitbar. Unbestreitbar ist aber auch, dass das zum Himmel schreit und der Himmel nicht stumm ist. Gottes Antwort ist schon im Voraus gegeben: Ich bin für euch da. Auch wenn es euch in der Dunkelheit eures Daseins anders scheint. Ich bin inmitten eures Unglücks bei euch, und euer größtes Unglück wäre es, nicht an mich zu glauben und daran, dass das Heil über das Unheil triumphieren wird.
Statt also mit eine gewissen Überheblichkeit zu fragen, warum Gott etwas zulässt, das mir falsch erscheint, sollte ich Gott demütig darum bitten, das ich nicht zulasse, nicht mehr an seine Güte und Allmacht zu glauben. Wer nämlich versteht, von wem die Rede ist, wenn von Gott die Rede ist, wird davon Abstand nehmen, Gottes Handeln („Zulassen“ versus „Eingreifen“) mittels des endlichen menschlichen Verstandes beurteilen zu wollen, und sich damit bescheiden, auf Gottes Liebe zu vertrauen, auch gegen allen Anschein, gegen alle Anfechtungen, gegen alle Widersprüche. 
Das menschliche Vermögen reicht gerade aus, um die Gotteserfahrung im Glauben so weit auf den Begriff zu bringen, dass mit Gewissheit gesagt werden kann, dass Gott gut ist und das Gute will. Dafür, Gott vor ein imaginäres Gericht zu stellen, ihn anzuklagen und Rechtfertigung von ihm zu verlangen („Theodizee“ nennt man das in der Philosophie), reicht es bei Weitem nicht aus. Wer derlei dennoch versucht, überschätzt sich und geht notwendig in die Irre. Dass der Widerspruch von Gottes Willen und irdischer Realität von den Menschen schmerzlich erfahren wird, ist nur zu verständlich. Aber man darf sich von Trauer, Wut, Selbstmitleid nicht überwältigen lassen, sondern der halbwegs nüchterne Verstand muss sich der Anmaßung verweigern, den Widerspruch dem anzulasten, der allein ihn aufzulösen vermag. Gott ist gut und auf unserer Seite. Mehr geht nicht.

 
Oscar Wilde: So eine Art Anarchist PDF Drucken E-Mail

„Der Sozialismus ist nur deshalb von Wert, weil er zum Individualismus führt“. — Eine Würdigung von Oscar Wildes Gesellschaftskritik aus Anlass seines 100. Todestages am 30. November 2000.

Oscar Wilde ist einer der bekanntesten irischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Er galt und gilt als Meister der geistreichen Konversation und des geschliffenen Bonmots, war und ist berühmt für seine Vorliebe für Paradoxien und seine hemmungslosen Verehrung des Schönen. Den meisten ist Wilde besonders als Verfasser unterhaltsamer Gesellschaftskomödien bekannt, vielleicht noch als Autor des Romans „Dorian Gray“ oder kunstvoller Märchen. Dass Wilde jedoch auch ein bemerkenswerter Essayist war, wird zumeist übersehen. Dabei findet sich unter seinen Arbeiten auch eine so erstaunliche Abhandlung wie „The soul of man under socialism“, auf Deutsch: „Die Seele des Menschen im Sozialismus“.
Es heißt, der Anlass des Textes sei ein Vortrag George Bernard Shaws gewesen, den Oscar Wilde in einer Versammlung der Fabian Society, einer Vereinigung englischer Sozialreformer, gehört habe; von Shaws Ideen angeregt, aber nicht überzeugt, habe Wilde sich daran gemacht, seine eigenen Gedanken zur Verbesserung der Gesellschaft zu formulieren. „Sehr einfallsreich und unterhaltend, hat aber nichts mit Sozialismus zu tun“, soll Shaws Reaktion auf Wildes Essay gewesen sein. [Nicht jeder lässt eben alles als Sozialismus gelten.]
Tatsächlich ist Wildes unkonventioneller Text ist eher ein Pamphlet als eine theoretische Arbeit. Immerhin war Wilde Künstler, nicht Wissenschaftler. Es ist nicht bekannt, ob er je auch nur eine Zeile von Karl Marx gelesen hat, und auch andere sozialistische oder sozialutopistische Autoren werden im Text nicht erwähnt. Allerdings lassen manche Anspielungen durchaus vermuten, dass Wilde mit den zu seiner Zeit besonders heftig geführten Diskussionen über die sogenannte „soziale Frage“ und über alternative Gesellschaftsmodelle zumindest oberflächlich vertraut war.
Bedenkt man die Vereinnahmung des einschlägigen Diskurses durch den „wissenschaftlichen“ Sozialismus, verwundert es nicht, dass Wildes Essay kaum je als ernsthafter Beitrag zur Gesellschaftskritik gewürdigt wurde. Das soll hier ein klein wenig nachgeholt werden. Den Leserinnen und Lesern sei es allerdings dringend anempfohlen, den Essay — der auch auf Deutsch in verschiedenen Ausgaben erhältlich ist — selbst nachzulesen. Sie können dabei ein Denken entdecken, das ebenso unterhaltsam wie intelligent, ebenso einfach wie nachdenkenswert ist.

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Theologische Skizze IV PDF Drucken E-Mail

1.
Alles könnte so schön sein. Und auch gut werden. Aber die Wahrscheinlichkeit ist eher gering. Es liegt an uns. An jedem Einzelnen und allen zusammen. Was wir tun und was wir lassen, das sind, alles in allem genommen, die Verhältnisse, in denen wir leben. Und diese Verhältnisse bestimmen mit, was wir tun und was wir lassen. Ein Teufelskreis. Denn die Verhältnisse, wer wüsste es nicht, die sind nicht gut.
Dabei wäre alles ganz einfach. Das Gute tun und das Böse lassen. Um mehr geht’s eigentlich gar nicht. Das wär’s schon. Das läge im ureigensten Interesse jedes Einzelnen und aller zusammen. Wer andere behandelt, wie er selbst von anderen behandelt werden will (Goldene Regel), macht nichts verkehrt. Den Hungernden und Dürstenden zu essen und zu trinken geben, die Nackten kleiden, die Fremden hereinlassen und unterbringen, den Einsamen, Kranken, Gefangenen beistehen. Überhaupt: Sich um die Kümmern, um die man sich kümmern kann. Mehr ist es gar nicht. Anstand. Rücksicht. Wohlwollen. Demut.
Stattdessen passiert das: Wir wollen haben, haben, haben. Dinge. Aufmerksamkeit. Macht. Lauter dummes Zeug also. Auf Kosten der anderen, unvermeidlicherweise. Das kann nicht gut gehen.
Jeder ist mehr oder minder erbärmlich. Nur sehr wenige bleiben nicht hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die meisten bei weitem. Auch ich. Daraus folgt: Du musst dein Leben ändern. Irgendwas ist grundverkehrt, also muss da was grundsätzlich anders werden.
Etwas aus sich zu machen, heißt nicht, eine Stellung in der Welt einzunehmen. Sich einzurichten im Unrecht und es sich bequem zu machen im Vergänglichen. Denn wozu? Nichts bleibt. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Auch nicht für Siegerurkunden. Erst recht nicht fürs Sparbuch. Was man Diesseits nennt, wird eines Tages nicht alles gewesen sein können, spätestens nämlich, wenn das letzte Stündlein schlägt. Wenn dann mehr nicht ist, als das, was halt so war, ist alles nicht. Wenn aber noch was kommt, geht es schon jetzt um ganz etwas anderes.
Eine Pointe der Theologie ist ja, dass das, was Gott will, dasselbe ist, wie das, was jeder selber wollte, wenn er sich durchschaute und alles überblickte. Gott will das Beste für jeden. Wer auch das Beste für jeden will und danach handelt, tut also Gottes Willen. So einfach ist das. Es könnte so schön sein. Und alles würde gut.
Von selbst aber wird das nicht passieren. Es gibt nichts Gutes, sagt Kästner, außer man tut es. Allerdings gibt es eben auch Gott, den vollkommen Guten, und weil der, wie man so sagt, allmächtig ist, wird am Ende doch wohl das geschehen sein, was er will.

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Kleines christliches Manifest PDF Drucken E-Mail

Christentum muss weh tun. Nämlich den Christen und auch den Nichtchristen. Ein Christentum, das nicht weh tut, ist keines. Was nichts kostet, ist auch nichts wert, und für die Nachfolge Christi ist unbedingt das ganze Leben daranzugeben. Gelegenheits- und Teilzeitchristentum zählt einfach nicht. Der Preis ist das Ganze. Ganz oder gar nicht, das ganze Leben bis zum Tod und darüber hinaus. Wer Christ sein will, muss deswegen nicht unbedingt sterben, aber er muss dazu bereit sein. Er braucht den Tod nicht zu fürchten. Vor allem aber soll er leben, voll und ganz leben für Christus, mit Christus und in Christus. Das ist ein unerhörter Anspruch. Christentum ist nämlich keine harmlose Sache. Es ist autoritär, totalitär, revolutionär, radikal und extremistisch.
Das Christentum ist autoritär, denn was Jesus Christus sagt, gilt, jetzt und für immer. Sein Evangelium ist Richtschnur für das Denken, Reden und Handeln. Es ist unveränderlich und unfehlbar. Der Christ soll nicht mehr dies und das wollen, was ihm halt so einfällt, sondern nur noch, was Gott will. Sein ganzes Tun und Lassen soll er am Willen Gottes ausrichten und sich in allem, wirklich in allem Gott unterordnen.
Das Christentum ist totalitär, denn es betrifft alles und jeden. Es lässt keine Ausreden gelten und gestattet keine Ausnahmen. Es fordert alles und duldet keinen Widerspruch. Es gilt immer und überall, Tag und Nacht, Jahr für Jahr, lückenlos und ohne irgendeinen Freiraum. Christ ist man ganz oder gar nicht. Ein bisschen Christ sein gibt es so wenig wie ein bisschen schwanger sein.
Das Christentum ist revolutionär, denn Jesus Christus fordert zur Umkehr auf. Das heißt, dass alles anders werden muss, dass jeder Einzelne anders werden muss, nämlich frei von Sünde. Das Evangelium fordert einen neuen Menschen und erfordert darum den Tod des alten. Um Christus nachzufolgen, muss man umkehren, sich von der Sünde abwenden und Gott zuwenden. Man muss sich von den hinderlichen Bindungen an diese Welt lossagen und frei werden für das ewige Leben. Das ist die größte Umwälzung von allen.

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