Was gibt es Neues? E-Mail

Zuletzt ein kleines Manifest gegen die Verharmlosung des Christentums und zwei "Theologische Skzzen" (III und IV). Davor das kleine politische Manifest "Wenn Kommunismus links ist, bin ich nicht links". Was man auf diesen Seiten sonst noch so alles findet, ist leicht anhand des Hauptmenüs rechter Hand herauszubekommen. Kommentare zu den hier veröffentlichten Texten sind übrigens immer willkommen!

Stefan Broniowski

 
Theologische Skizze IV PDF Drucken E-Mail

1.
Alles könnte so schön sein. Und auch gut werden. Aber die Wahrscheinlichkeit ist eher gering. Es liegt an uns. An jedem Einzelnen und allen zusammen. Was wir tun und was wir lassen, das sind, alles in allem genommen, die Verhältnisse, in denen wir leben. Und diese Verhältnisse bestimmen mit, was wir tun und was wir lassen. Ein Teufelskreis. Denn die Verhältnisse, wer wüsste es nicht, die sind nicht gut.
Dabei wäre alles ganz einfach. Das Gute tun und das Böse lassen. Um mehr geht’s eigentlich gar nicht. Das wär’s schon. Das läge im ureigensten Interesse jedes Einzelnen und aller zusammen. Wer andere behandelt, wie er selbst von anderen behandelt werden will (Goldene Regel), macht nichts verkehrt. Den Hungernden und Dürstenden zu essen und zu trinken geben, die Nackten kleiden, die Fremden hereinlassen und unterbringen, den Einsamen, Kranken, Gefangenen beistehen. Überhaupt: Sich um die Kümmern, um die man sich kümmern kann. Mehr ist es gar nicht. Anstand. Rücksicht. Wohlwollen. Demut.
Stattdessen passiert das: Wir wollen haben, haben, haben. Dinge. Aufmerksamkeit. Macht. Lauter dummes Zeug also. Auf Kosten der anderen, unvermeidlicherweise. Das kann nicht gut gehen.
Jeder ist mehr oder minder erbärmlich. Nur sehr wenige bleiben nicht hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die meisten bei weitem. Auch ich. Daraus folgt: Du musst dein Leben ändern. Irgendwas ist grundverkehrt, also muss da was grundsätzlich anders werden.
Etwas aus sich zu machen, heißt nicht, eine Stellung in der Welt einzunehmen. Sich einzurichten im Unrecht und es sich bequem zu machen im Vergänglichen. Denn wozu? Nichts bleibt. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Auch nicht für Siegerurkunden. Erst recht nicht fürs Sparbuch. Was man Diesseits nennt, wird eines Tages nicht alles gewesen sein können, spätestens nämlich, wenn das letzte Stündlein schlägt. Wenn dann mehr nicht ist, als das, was halt so war, ist alles nicht. Wenn aber noch was kommt, geht es schon jetzt um ganz etwas anderes.
Eine Pointe der Theologie ist ja, dass das, was Gott will, dasselbe ist, wie das, was jeder selber wollte, wenn er sich durchschaute und alles überblickte. Gott will das Beste für jeden. Wer auch das Beste für jeden will und danach handelt, tut also Gottes Willen. So einfach ist das. Es könnte so schön sein. Und alles würde gut.
Von selbst aber wird das nicht passieren. Es gibt nichts Gutes, sagt Kästner, außer man tut es. Allerdings gibt es eben auch Gott, den vollkommen Guten, und weil der, wie man so sagt, allmächtig ist, wird am Ende doch wohl das geschehen sein, was er will.

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Theologische Skizze III (Advent) PDF Drucken E-Mail

1.
War’s das schon oder kommt da noch was? Das kann doch noch nicht alles gewesen sein. Das Unbehagen demgegenüber, dass dieses Leben, das man bisher geführt hat und das man voraussichtlich so bis zum absehbaren Ende führen wird, das Gefühl des Ungenügens demgegenüber, dass diese Welt, in der man lebt und in der man irgendwann sterben wird, schon alles ist, was man berechtigterweise erwarten darf, das Unbehagen, mit anderen Worten, am sogenannten Diesseits, seiner Beschaffenheit und der eigenen Rolle darin, dieses Unbehagen mag es hie und da bei diesem oder jenem noch geben, im Großen und Ganzen jedoch sind die Gegenkräfte sehr bemüht, es den Leuten auszutreiben. Und diese Kräfte haben, wenn schon nicht die besseren Argumente, so doch sehr effiziente Instrumente auf ihrer Seite. Die ganze gewaltige Maschinerie der Ablenkung, Bespaßung und Infantilisierung, der die Insassen der westlichen Konsumgesellschaften unterworfen sind, läuft auf die eine Botschaft hinaus: Die Welt ist vielleicht nicht schön und die Verhältnisse sind vielleicht grauenvoll, aber was kümmert’s dich, du brauchst doch nichts anderes zu tun, als es dir gemütlich zu machen, dich in der wunderschönen Warenwelt einzurichten und von einem guten Leben zu träumen, und alles was dafür von dir verlangt wird, sind deine Arbeitskraft, deine Wünsche und Begehrlichkeiten und dein Gewissen. Und wenn einer zwischen Unterhaltungselektronik, Sommerurlaub, Kleinfamilienterror und Selbstvermarktungshektik doch noch Platz hat, darf er gerne auf die ideologischen Angebote zurückgreifen. Evolutionismus, Tiefenpsychologie, Hirnforschung, Genforschung usw. wissen alle dasselbe zu berichten: Du bist nicht schuld, du bist nicht verantwortlich, da kannste nichts machen. Das widerspricht zwar ein wenig dem sonstigen Imperativ, sich dauernd zu optimieren, sich marktkonform zu verhalten und die richtigen Kaufentscheidungen zu treffen, ist doch aber gerade dann, wenn’s dabei kriselt, so herrlich entlastend. Der Mensch ist auch nur ein Tier, das Ich nicht Herr im eigenen Hause, die Willensfreiheit eine Illusion, weil das Hirn alles für einen entscheidet, und die Gene haben einen auf all das programmiert, was man ist und was einem widerfährt. Und wenn du tot bist, bist du tot. Ja sicher, man lebt in den Erinnerungen der Menschen weiter, die einen geliebt haben, aber mal ehrlich, wie viele waren das schon, zumal gegen Ende? Nein, nein, der Tod ist das Ende, da kommt nichts mehr, alles andere ist Illusion, kindliche Tröstung, frommes Gerede. Derlei zu akzeptieren, muss umso leichter fallen, je diesseitiger das Leben vor dem Tode gelebt wurde. Wer sich vor allem um sich selbst gekümmert hat und um andere nur, sofern sie im Gefühlshaushalt eine produktive Rolle spielten; wer sich nicht für die herrschenden Verhältnisse interessiert hat und um das Leid, das sie für so viele bedeuten; wer sich nur darum gesorgt hat, was er außer dem, was er schon hat, noch haben kann, und sich nie ohne Not gefragt hat, worauf er verzichten könnte; wer nie das in dieser Welt nicht aufhebbare und nicht ausgleichbare Unrecht, das Leiden und den Tod als unerträgliche Zumutung erfahren hat; wer also, kurz gesagt, ein rein diesseitig orientierter Materialist und Egoist ist, bei dem ist klar, dass er von irgendeiner Transzendenz nichts wissen will. Er könnte jedoch sogar ein engagierter Idealist sein, gegen das Unrecht auftreten, Leiden zu lindern versuchen und für eine bessere Welt kämpfen — wenn es sich dabei immer nur um diese Welt handeln, sind diese Bemühungen, so gut und ehrenwert sie für sich genommen wären, letztlich zum Scheitern verurteilt. Denn gesetzt selbst, es ließe sich das Paradies auf Erden errichten und alle Menschen lebten in gerechten Verhältnissen, Wohlstand und geistigem Reichtum, was würde aus all dem Leiden, das es bis dahin gab, aus all dem Unrecht und der Schuld dafür und was würde aus den Toten? Selbst wenn es nämlich gelänge, den Tod zu besiegen und die gerade Lebenden für immer am Leben zu halten, die bis dahin Gestorbenen wären und blieben doch tot. Mit anderen Worten, selbst wenn, was angesichts der bestehenden Wirklichkeit völlig unwahrscheinlich ist, eines Tages auf Erden alles gut würde, es bliebe doch die Vergangenheit, die nicht gut war. Darf das sein? Materialismus, Egoismus, Konsumismus, Immanentismus haben auf diese kleine, aber alles entscheidende Frage keine befriedigende Antwort, keine, die jenes Unbehagen aufheben könnte, das nicht bloß am eigenen Wohl und Wehe entzündet, nicht am eigenen Glück, sondern nicht zuletzt am Unglück der anderen, am diesseitig irreparablen Unglück derer, die litten und starben, die entwürdigt und entrechtet wurden, die man sowohl um ein Minimum wie um das Maximum an gutem Leben in dieser Welt betrog. Die Ideologen der reinen Diesseitigkeit haben darauf, wie gesagt keine Antwort. Darauf antwortet nur die Religion.

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Kleines christliches Manifest PDF Drucken E-Mail

Christentum muss weh tun. Nämlich den Christen und auch den Nichtchristen. Ein Christentum, das nicht weh tut, ist keines. Was nichts kostet, ist auch nichts wert, und für die Nachfolge Christi ist unbedingt das ganze Leben daranzugeben. Gelegenheits- und Teilzeitchristentum zählt einfach nicht. Der Preis ist das Ganze. Ganz oder gar nicht, das ganze Leben bis zum Tod und darüber hinaus. Wer Christ sein will, muss deswegen nicht unbedingt sterben, aber er muss dazu bereit sein. Er braucht den Tod nicht zu fürchten. Vor allem aber soll er leben, voll und ganz leben für Christus, mit Christus und in Christus. Das ist ein unerhörter Anspruch. Christentum ist nämlich keine harmlose Sache. Es ist autoritär, totalitär, revolutionär, radikal und extremistisch.
Das Christentum ist autoritär, denn was Jesus Christus sagt, gilt, jetzt und für immer. Sein Evangelium ist Richtschnur für das Denken, Reden und Handeln. Es ist unveränderlich und unfehlbar. Der Christ soll nicht mehr dies und das wollen, was ihm halt so einfällt, sondern nur noch, was Gott will. Sein ganzes Tun und Lassen soll er am Willen Gottes ausrichten und sich in allem, wirklich in allem Gott unterordnen.
Das Christentum ist totalitär, denn es betrifft alles und jeden. Es lässt keine Ausreden gelten und gestattet keine Ausnahmen. Es fordert alles und duldet keinen Widerspruch. Es gilt immer und überall, Tag und Nacht, Jahr für Jahr, lückenlos und ohne irgendeinen Freiraum. Christ ist man ganz oder gar nicht. Ein bisschen Christ sein gibt es so wenig wie ein bisschen schwanger sein.
Das Christentum ist revolutionär, denn Jesus Christus fordert zur Umkehr auf. Das heißt, dass alles anders werden muss, dass jeder Einzelne anders werden muss, nämlich frei von Sünde. Das Evangelium fordert einen neuen Menschen und erfordert darum den Tod des alten. Um Christus nachzufolgen, muss man umkehren, sich von der Sünde abwenden und Gott zuwenden. Man muss sich von den hinderlichen Bindungen an diese Welt lossagen und frei werden für das ewige Leben. Das ist die größte Umwälzung von allen.

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Wenn Kommunismus links ist, bin ich nicht links PDF Drucken E-Mail

Wenn Kommunismus links ist, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, zu lügen und zu betrügen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist zu morden und Morde gutzuheißen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, nach Herrschaft zu streben, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, den Zweck die Mittel heiligen zu lassen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Unrecht zu bejahen, wenn man meint, dass es einem nützt, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Recht und Ethik nur als Instrumente der Klassenherrschaft begreifen zu können, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Individuen nur als Exemplare eines Kollektivs („Klasse“) zu betrachten, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, „Dialektik“ als einen Trick zu verstehen, immer Recht zu haben, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, eine verkorkste Metaphysik („Materialismus“) zu predigen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, eine verkappte, aber lächerliche Geschichstheologie zu predigen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, den Kapitalismus als notwendige Durchgangsstufe zum Sozialismus zu bejahen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, für die Diktatur einer Klasse zu sein, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, alle Nichtproletarier beseitigen zu wollen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, die Herrschaft einer Partei, also eigentlich: des Politbüros oder des Generalsekretärs zu befürworten, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, einen „Führer“ kultisch zu verehren, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, zu behaupten, die Partei habe immer recht, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Sozialismus zu sagen, aber das Privateigentum der Partei an den Produktionsmitteln zu praktizieren, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Demokratie zu sagen, aber Diktatur zu praktizieren, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Internationalismus zu sagen, aber Nationalismus zu praktizieren, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Solidarität zu sagen, aber den Kampf der Partei gehen alle zu praktizieren, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Industrialisierung als Sklavenarbeit zu organisieren, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Menschen rücksichtslos auszubeuten, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, natürliche Ressourcen rücksichtslos auszubeuten, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, das eigene planerische Versagen Saboteuren und Spionen in die Schuhe zu schieben, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, die Umwelt nachhaltig zu schädigen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Ressourcen für Prestigeprojekte zu vergeuden, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, jede freie Meinungsäußerung zu unterbinden und, wenn sie doch vorkommt, zu bestrafen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Künste und Wissenschaften zu Mitteln der Politreklame und des Massenamüsements zu erniedrigen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Kulturgüter zu vernichten, die einem nicht in den Kram passen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, sich Kulturgüter unter den Nagel zu reißen, die einem in den Kram passen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Religion im Allgemeinen und das Christentum im Besonderen zu bekämpfen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, bürgerliche Umgangsformen durch Vulgarität, Befehlston, gegenseitiges Misstrauen und soziale Kälte zu ersetzen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, den Staat zu einem Repressionsapparat auszubauen, wie es in de Geschichte keinen schlimmeren gegeben hat, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Putsche und Staatsstreiche als „Revolutionen“ zu verklären, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Krieg und Bürgerkrieg zu führen oder zu fördern, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, mit den Nazis zu paktieren und von den Nazis Verfolgte an diese auszuliefern, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Menschen zu beleidigen und zu erniedrigen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Menschen zu berauben und im Elend leben zu lassen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Menschen zu bespitzeln und zu verleumden, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Menschen einzusperren oder zu verbannen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Menschen zu falsche Geständnisse zu zwingen und sie in Schauprozessen vorzuführen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Menschen in Arbeitslager zu stecken und sie dort verrecken zu lassen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Menschen willkürlich zu verhaften und ohne auch nur den Anschein der Legalität zu liquidieren, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Menschen millionenfach verhungern zu lassen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Menschen umzubringen, weil die falsche Nationalität oder Klassenangehörigkeit haben, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Menschen umzubringen, weil sie „Kosmopoliten“ (also Juden) sind, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Menschen umzubringen, weil sie Brillenträger sind, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, gegebenenfalls jeden einzelnen Menschen im Namen „der Menschheit“ opfern zu wollen, dann will ich nicht links sein. Kurzum, wenn Kommunismus links ist, dann bin ich nicht links.

 
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