Was gibt es Neues? E-Mail

Zuletzt ein alter Zeitschriftenartikel "Schwule als Exoten". Davor ein Plädoyer gegen die Verharmlosung des Christentums und zwei "Theologische Skzzen" (III und IV). Und davor das kleine politische Manifest "Wenn Kommunismus links ist, bin ich nicht links". Was man auf diesen Seiten sonst noch so alles findet, ist leicht anhand des Hauptmenüs rechter Hand herauszubekommen. Kommentare zu den hier veröffentlichten Texten sind übrigens immer willkommen!

Stefan Broniowski

 
Schwule als Exoten PDF Drucken E-Mail

Was ist Exotismus? Ein Lexikon gibt darauf die eindrucksvolle Antwort, es handle sich um die „eurozentrische Sonderform des von Europa ausgehenden epistologischen Imperialismus, der sich vor allem auf Kulturen in Afrika, Asien und Südamerika bezieht und als Wegbereiter oder ideologische Legitimationsinstanz von politisch-ökonomischen Dominanzansprüchen fungiert. Im engeren Sinn ein zumindest oberflächlich positiv besetztes Heterostereotyp als normatives Korrektiv von Fehlentwicklungen in der zumeist europäischen Ausgangskultur, im weiteren Sinn jede imaginäre Überschreibung einer fremden Kultur. (…) Je nach dem Interesse des europäischen Beobachters konsolidieren sich die Wahrnehmungen zum Negativ-Heterostereotyp, vor dem die Herrschaftskultur ihre Überlegenheit in zivilisatorischer, moralischer, religiöser oder ökonomischer Hinsicht begründet und implizit oder explizit ein Eingreifen in die Autonomie des meist mit primitivistischer Naturnähe assoziierten fremden Kulturkreises legitimiert; historisch seltener wird die kulturelle Alterität als positives Gegenbild konstruiert, wie in Rousseaus ‘Edlem Wilden’ (…). Das ambivalente Heterostereotyp, dass dunkelhäutige Völker ein ‘spontaneres’ bzw. ‘ primitiveres’ Verhältnis zu ihrer Sexualität besitzen als die Weißen, taucht bereits in den ersten Reiseberichten des Mittelalters in diesem Zusammenhang auf. — Die Übergänge zwischen Exotismus und Xenophobie sind fließend, da sich im Exotismus angstbesetzte, aus dem kulturellen Autostereotyp verdrängte Wünsche konzentrieren, welche Begehren, aber zugleich Haßgefühle auf die fetischisierten Opfer der Projektionen als Repräsentanten des verbotenen Eigenen wecken.“1
Eine etwas schlichtere Beantwortung der Frage, was ein Exot sei, könnte die folgenden, sehr vorläufigen Kriterien nennen:
1. Der Exot kommt von außen (griech. exotikos — fremd, fremdländisch), er gehört einer fremden Kultur an.
2. Der Exot ist primitiv, entweder im Sinne völliger Unterlegenheit oder einer vorbildlichen Ursprünglichkeit.
3. Der Exot macht Differenz sichtbar, denn seine Präsenz stellt das Normale und Normative entweder in Frage oder bekräftigt es.
4. Der Körper des Exoten ist erotisch besetzt.
Werden sie so allgemein und einfach formuliert wie hier, lassen sich die vier Merkmale nun offenkundig nicht bloß auf Angehörige außereuropäischer Kulturen anwenden, sondern, gleichsam „inlands-ethnologisch“, auch auf solche Menschen, die in der öffentlichen Wahrnehmung nicht oder nicht vollständig mit den kulturellen Normen übereinstimmen, so dass sie eine grundlegende und ihre gesamte Existenz betreffende Abweichung repräsentieren. In diesem Sinne soll im folgenden argumentiert werden, dass und warum männliche Homosexuelle in der sie umgebenden heterosexuellen Kultur als Exoten fungieren. (Und wie etwas dagegen zu machen wäre.)

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Kleines christliches Manifest PDF Drucken E-Mail

Christentum muss weh tun. Nämlich den Christen und auch den Nichtchristen. Ein Christentum, das nicht weh tut, ist keines. Was nichts kostet, ist auch nichts wert, und für die Nachfolge Christi ist unbedingt das ganze Leben daranzugeben. Gelegenheits- und Teilzeitchristentum zählt einfach nicht. Der Preis ist das Ganze. Ganz oder gar nicht, das ganze Leben bis zum Tod und darüber hinaus. Wer Christ sein will, muss deswegen nicht unbedingt sterben, aber er muss dazu bereit sein. Er braucht den Tod nicht zu fürchten. Vor allem aber soll er leben, voll und ganz leben für Christus, mit Christus und in Christus. Das ist ein unerhörter Anspruch. Christentum ist nämlich keine harmlose Sache. Es ist autoritär, totalitär, revolutionär, radikal und extremistisch.
Das Christentum ist autoritär, denn was Jesus Christus sagt, gilt, jetzt und für immer. Sein Evangelium ist Richtschnur für das Denken, Reden und Handeln. Es ist unveränderlich und unfehlbar. Der Christ soll nicht mehr dies und das wollen, was ihm halt so einfällt, sondern nur noch, was Gott will. Sein ganzes Tun und Lassen soll er am Willen Gottes ausrichten und sich in allem, wirklich in allem Gott unterordnen.
Das Christentum ist totalitär, denn es betrifft alles und jeden. Es lässt keine Ausreden gelten und gestattet keine Ausnahmen. Es fordert alles und duldet keinen Widerspruch. Es gilt immer und überall, Tag und Nacht, Jahr für Jahr, lückenlos und ohne irgendeinen Freiraum. Christ ist man ganz oder gar nicht. Ein bisschen Christ sein gibt es so wenig wie ein bisschen schwanger sein.
Das Christentum ist revolutionär, denn Jesus Christus fordert zur Umkehr auf. Das heißt, dass alles anders werden muss, dass jeder Einzelne anders werden muss, nämlich frei von Sünde. Das Evangelium fordert einen neuen Menschen und erfordert darum den Tod des alten. Um Christus nachzufolgen, muss man umkehren, sich von der Sünde abwenden und Gott zuwenden. Man muss sich von den hinderlichen Bindungen an diese Welt lossagen und frei werden für das ewige Leben. Das ist die größte Umwälzung von allen.

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Theologische Skizze IV PDF Drucken E-Mail

1.
Alles könnte so schön sein. Und auch gut werden. Aber die Wahrscheinlichkeit ist eher gering. Es liegt an uns. An jedem Einzelnen und allen zusammen. Was wir tun und was wir lassen, das sind, alles in allem genommen, die Verhältnisse, in denen wir leben. Und diese Verhältnisse bestimmen mit, was wir tun und was wir lassen. Ein Teufelskreis. Denn die Verhältnisse, wer wüsste es nicht, die sind nicht gut.
Dabei wäre alles ganz einfach. Das Gute tun und das Böse lassen. Um mehr geht’s eigentlich gar nicht. Das wär’s schon. Das läge im ureigensten Interesse jedes Einzelnen und aller zusammen. Wer andere behandelt, wie er selbst von anderen behandelt werden will (Goldene Regel), macht nichts verkehrt. Den Hungernden und Dürstenden zu essen und zu trinken geben, die Nackten kleiden, die Fremden hereinlassen und unterbringen, den Einsamen, Kranken, Gefangenen beistehen. Überhaupt: Sich um die Kümmern, um die man sich kümmern kann. Mehr ist es gar nicht. Anstand. Rücksicht. Wohlwollen. Demut.
Stattdessen passiert das: Wir wollen haben, haben, haben. Dinge. Aufmerksamkeit. Macht. Lauter dummes Zeug also. Auf Kosten der anderen, unvermeidlicherweise. Das kann nicht gut gehen.
Jeder ist mehr oder minder erbärmlich. Nur sehr wenige bleiben nicht hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die meisten bei weitem. Auch ich. Daraus folgt: Du musst dein Leben ändern. Irgendwas ist grundverkehrt, also muss da was grundsätzlich anders werden.
Etwas aus sich zu machen, heißt nicht, eine Stellung in der Welt einzunehmen. Sich einzurichten im Unrecht und es sich bequem zu machen im Vergänglichen. Denn wozu? Nichts bleibt. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Auch nicht für Siegerurkunden. Erst recht nicht fürs Sparbuch. Was man Diesseits nennt, wird eines Tages nicht alles gewesen sein können, spätestens nämlich, wenn das letzte Stündlein schlägt. Wenn dann mehr nicht ist, als das, was halt so war, ist alles nicht. Wenn aber noch was kommt, geht es schon jetzt um ganz etwas anderes.
Eine Pointe der Theologie ist ja, dass das, was Gott will, dasselbe ist, wie das, was jeder selber wollte, wenn er sich durchschaute und alles überblickte. Gott will das Beste für jeden. Wer auch das Beste für jeden will und danach handelt, tut also Gottes Willen. So einfach ist das. Es könnte so schön sein. Und alles würde gut.
Von selbst aber wird das nicht passieren. Es gibt nichts Gutes, sagt Kästner, außer man tut es. Allerdings gibt es eben auch Gott, den vollkommen Guten, und weil der, wie man so sagt, allmächtig ist, wird am Ende doch wohl das geschehen sein, was er will.

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Wenn Kommunismus links ist, bin ich nicht links PDF Drucken E-Mail

Wenn Kommunismus links ist, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, zu lügen und zu betrügen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist zu morden und Morde gutzuheißen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, nach Herrschaft zu streben, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, den Zweck die Mittel heiligen zu lassen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Unrecht zu bejahen, wenn man meint, dass es einem nützt, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Recht und Ethik nur als Instrumente der Klassenherrschaft begreifen zu können, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Individuen nur als Exemplare eines Kollektivs („Klasse“) zu betrachten, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, „Dialektik“ als einen Trick zu verstehen, immer Recht zu haben, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, eine verkorkste Metaphysik („Materialismus“) zu predigen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, eine verkappte, aber lächerliche Geschichstheologie zu predigen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, den Kapitalismus als notwendige Durchgangsstufe zum Sozialismus zu bejahen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, für die Diktatur einer Klasse zu sein, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, alle Nichtproletarier beseitigen zu wollen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, die Herrschaft einer Partei, also eigentlich: des Politbüros oder des Generalsekretärs zu befürworten, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, einen „Führer“ kultisch zu verehren, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, zu behaupten, die Partei habe immer recht, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Sozialismus zu sagen, aber das Privateigentum der Partei an den Produktionsmitteln zu praktizieren, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Demokratie zu sagen, aber Diktatur zu praktizieren, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Internationalismus zu sagen, aber Nationalismus zu praktizieren, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Solidarität zu sagen, aber den Kampf der Partei gehen alle zu praktizieren, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Industrialisierung als Sklavenarbeit zu organisieren, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Menschen rücksichtslos auszubeuten, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, natürliche Ressourcen rücksichtslos auszubeuten, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, das eigene planerische Versagen Saboteuren und Spionen in die Schuhe zu schieben, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, die Umwelt nachhaltig zu schädigen, dann will ich nicht links sein. Wenn es links ist, Ressourcen für Prestigeprojekte zu vergeuden, dann will ich nicht links sein.

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